Wer bekommt das Sorgerecht bei einer Scheidung?

Rechtsanwalt Martin Klocke Anwalt für Familienrecht Sorgerecht Umgang Scheidung Trennung Unterhalt

Eltern streiten häufig um das Sorgerecht

Das Sorgerecht liegt während der Ehe bei beiden Eltern gleichermaßen. Wird die Ehe geschieden, behalten beide Elternteile das Sorgerecht. Sie üben das Sorgerecht gemeinsam aus, es sei denn ein Elternteil beantragt bei Gericht das alleinige Sorgerecht. Ein solcher Antrag kann im Rahmen des Scheidungsverfahrens gestellt werden, sog. Verbundverfahren.

Die Zuteilung des Sorgerechts durch das Familiengericht richtet sich nach dem Kindeswohl. Stellt ein Ehegatte den Antrag, ihm die elterliche Sorge zu übertragen und widerspricht der andere Ehegatte, so muss das Gericht prüfen, ob es das Beste für das Kind ist, dem beantragenden Elternteil die alleinige Sorge zu übertragen. Um dies herauszufinden, kann das Kind ab einem Alter von 14 Jahren auch selbst befragt werden. Erscheint der beantragende Elternteil nicht als geeignet zur alleinigen Sorge, so wird der Antrag abgelehnt und es bleibt bei der gemeinsamen Sorge.

Es kann passieren, dass der andere Elternteil das Sorgerecht ebenfalls für sich beansprucht und einen eigenen Antrag auf Erteilung des alleinigen Sorgerechts stellt. Das Gericht hat dann die Möglichkeit entweder einem Teil die Sorge zuzusprechen, wenn es einen Elternteil für geeignet und den anderen Teil für ungeeignet hält. Das Gericht kann aber auch beide Anträge ablehnen und es bei der gemeinsamen Sorge belassen. Es kann also passieren, dass die Eltern die gemeinsame Sorge behalten, obwohl beide das nicht wollen.

Das Familiengericht wird die gemeinsame Sorge aufheben und das alleinige Sorgerecht zusprechen, wenn die gemeinsame Sorge praktisch nicht mehr funktioniert. Das ist der Fall, wenn die Eltern so zerstritten sind, dass sie keine Entscheidungen mehr im Sinne des Kindes treffen können. Sie blockieren sich gegenseitig.

 Gemeinsames Sorgerecht bei Getrenntleben?

Das Sorgerecht kann auch dann gemeinsam ausgeübt werden, wenn die Eltern in Trennung leben. Die Entscheidungen mit grundsätzlicher Bedeutung für das Leben des Kindes werden dann trotz Trennung von den Eltern gemeinsam getroffen. Die Eltern müssen sich also einig werden. Sind die Eltern zerstritten oder kommt aus anderen Gründen keine Einigung zustande, so muss das Familiengericht eingeschaltet werden. Das Gericht teilt dann einem Elternteil die Entscheidungsbefugnis für einen bestimmten Lebensbereich zu. Die Zuteilung der Befugnis kann unter Umständen zeitlich begrenzt werden oder unter andere Auflagen gestellt werden.

Wer entscheidet bei Dingen des täglichen Lebens?

Leben die Eltern in Trennung haben beide Eltern grundsätzlich das gemeinsame Sorgerecht. Die grundsätzlichen Lebensentscheidungen sind von beiden gemeinsam zu treffen. Aber was ist mit den ganz alltäglichen Dingen? Hierüber entscheidet der Elternteil, bei dem sich das Kind gewöhnlich aufhält. Das ist in der Regel der Elternteil, der in der Ehewohnung mit dem Kind wohnen bleibt.

Angelegenheiten des täglichen Lebens sind Entscheidungen, die häufig vorkommen und die keine schwer abzuändernden Auswirkungen auf die Entwicklung des Kindes haben, z. B. ein Arztbesuch (auch Grippeimpfung), eine Klassenfahrt, usw.

 Hat der Vater eines nichtehelichen Kindes Anspruch auf Sorgerecht?

Wenn die Eltern bei Geburt des Kindes nicht verheiratet sind, fällt das Sorgerecht grundsätzlich der Mutter zu. Der Vater des nichtehelichen Kindes kann aber die Vaterschaft anerkennen. Sobald die Vaterschaft feststeht, hat der Vater zwar nicht automatisch auch ein Sorgerecht. Er kann aber beantragen, dass ihm das alleinige Sorgerecht oder das gemeinsame Sorgerecht eingeräumt wird.

 Was darf der Umgangsberechtigte?

Hat ein Elternteil das alleinige Sorgerecht beantragt und dieses auch zugesprochen bekommen, so hat der Nichtsorgeberechtigte ein Recht auf Umgang mit dem Kind. Im Rahmen des Umgangs hält sich das Kind in der Regel bei dem Umgangsberechtigten auf, z. B. jedes zweite Wochenende. Während dieser Zeit entscheidet der Umgangsberechtigte allein über die Angelegenheiten der täglichen Betreuung. Hier gehören beispielsweise Entscheidungen darüber,

- was das Kind zu Essen bekommt
- wie lange das Kind fernsehen darf und welche Sendungen geschaut werden
- wann das Kind ins Bett gehen muss

In Notfällen hat jeder Elternteil ein Notvertretungsrecht. Auch wenn kein Sorgerecht besteht, können dann Entscheidungen getroffen werden, z. B. wenn sich das Kind schwer verletzt und sofort operiert werden muss. Dieses Notvertretungsrecht steht dem Nichtsorgeberechtigten aber natürlich nur dann zu, wenn sich das Kind gerade bei ihm aufhält.

 

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